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  • AutorenbildThomas Damberger

Bildung und Erziehung heute. Eine erzählerische Hin- und Einführung

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ist 2021 im Verlag Belz Juventa erschienen. Es ist mein Versuch, möglichst spannend und mitnehmend in ein das Themenfeld Bildung & Erziehung einzuführen. Hier ist ein Auszug: "Ich erinnere mich noch sehr gut an meine erste Vorlesung. Ich war Mitte 20 und habe mich, nach einigem Hin und Her, für ein Studium an einer Universität in Hessen entschieden. Laut meinem Stundenplan war eine Einführungsveranstaltung zum Thema Allgemeine Pädagogik vorgesehen. Der Saal war überfüllt, ich selbst saß irgendwo am Rand auf einer Treppenstufe und fühlte mich überhaupt nicht wohl an diesem Ort. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis einigermaßen Ruhe einkehrte – und dann ging es los. Ich hatte, um ehrlich zu sein, keine rechte Vorstellung davon, was mich erwarten würde. Was ich aber sicher nicht erwartete, war Musik. Die Rede ist hier nicht von der Art Musik, die im Hintergrund läuft und ein wenig zur Entspannung beitragen soll, bis die eigentliche Vorlesung startet. Im Gegenteil: Die Musik selbst war Teil der Vorlesung. In jeder Sitzung wurden ein bis zwei Stücke gespielt, manchmal rockige oder punkige Songs, manchmal auch Klassisches von Bach oder Beethoven. Ausgehend von der Musik, dem Aufbau der Stücke, den Songtexten und dem Kontext ihrer Entstehung wurde der Bogen zu etwas geschlagen, was bemerkenswert viel mit pädagogischen Fragestellungen zu tun hat. Diese Vorlesung war alles andere als eine Ansammlung von Theorien, Daten und Zahlen, sie war, und das ist keine Übertreibung, für mich ein sinnlich reizvolles und zugleich intellektuell anspruchsvolles Abenteuer. Wenn ich heute darüber nachdenke, was für mich am Prägnantesten an dieser besonderen Einführung war, bin ich geneigt, den Begriff Berührtsein zu verwenden.

Mittlerweile sind viele Jahre vergangen, ich selbst habe nach dem Studium eine wissenschaftliche Laufbahn eingeschlagen, und noch immer wirkt dieses Berührtsein nach. Wissenschaft ist für mich bis heute nichts Äußerliches, dem man sich, wie es so unschön heißt, objektiv und distanziert zuzuwenden hat, in etwa so, als würde man im Schutzanzug und mit Skalpell bewaffnet etwas sezieren. Nein, Wissenschaft verstehe ich als etwas Ergreifendes, das manchmal sogar unter die Haut geht, mich in gewisser Weise durchdringt. Wenn ich denkend einer Sache auf der Spur bin, ist dieses Aufspüren, dieses Entdecken nach wie vor etwas, das mir nicht immer, aber doch oft genug Herzklopfen bereitet. Wissenschaft betrifft aus meiner Sicht beides, Kopf und Herz, oder, wenn ich die Begriffe verwenden darf: Geist und Seele. Mittlerweile bin ich selbst in der Situation, Vorlesungen halten zu dürfen – etwas, das mir ausnahmslos immer großes Vergnügen bereitet. Das vorliegende Buch ist im Zusammenhang mit einer Einführungsvorlesung in Bildung und Erziehung entstanden, die ich an einer Universität in Norddeutschland gehalten habe. Als ich die ersten Ideen zu ihrer Konzeption entwickelt habe, war für mich neben den Inhalten, also dem Was, vor allem das Wie entscheidend. Wie kann ich das, was aus meiner Sicht relevant ist, um in das Themenfeld Bildung und Erziehung einzuführen, in einer möglichst spannenden, mitreißenden und bei alledem mir eigenen Art präsentieren? Was dabei herauskam, können Sie auf den folgenden Seiten nachlesen. Sie werden dabei feststellen, dass ich stellenweise Auszüge aus Romanen, Erzählungen und Gedichten verwendet habe, um erziehungs- und bildungswissenschaftliche Themen nicht als das erscheinen zu lassen, was sie eben nicht sind: graue Theorie, sondern im Gegenteil als etwas, das ausgesprochen lebensnah ist und nahezu täglich erfahren werden kann.

Ich möchte an dieser Stelle ergänzen, dass die Auswahl der Themen natürlich auch und nicht zuletzt dem geschuldet ist, was ich persönlich als für besonders wichtig erachte. Das aber bedeutet nicht, dass alles Wichtige, was einführend ausgebreitet werden sollte, in diesem Buch enthalten ist. Falls Sie als Studentin oder Student dieses Buch lesen, empfehle ich Ihnen, immer auch andere Einführungen zu Rate zu ziehen, um Ihr persönliches Bild zu vervollständigen. Ich selbst habe allerdings auch festgestellt, dass es am Ende gar nicht so sehr auf die Menge der gelesenen Bücher ankommt, sondern vielmehr darauf, ob ein Buch nicht nur zum Aufnehmen der Inhalte anregt, sondern zum eigenständigen Nach- und Weiterdenken inspiriert. Das können nur wenige Bücher, und das wiederum heißt nicht, dass die meisten Bücher nicht gut sind. Es geht vielmehr darum, ob ein Buch, die Art des Schreibens, die Gedankenführung und ja, auch die Inhalte, zu einem passen. Ich kann daher nur hoffen, dass dieses Buch von Ihnen angenommen und als inspirierend erlebt wird."

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